Die Gemmen der
Kaiserin | Hohenzollern-Preussen
Auszug aus dem Museumskatalog von Hessen-Kassel, die Nachantiken Kameenkollektion:
Eine eigene Geschichte hat die "Garnitur vor eine Dame",
ein Gemmen-Ensemble, das mit den 932 Gemmen bei dem Capello-Kauf von
1710 miterworben wurde. Die Einzelteile waren ein Bruststück, ein
Halsband, zwei Ohrgehänge, fünf reich verzierte Haarnadeln,
zwei Teile davon mit Mohrenfiguren und Diamanten, zwei Brazolets (Schließen
zu den Armbändern), ein Ring und gekuppelte Ärmelknöpfe.
Dieses Kleinod besaß geradezu märchenhaften Ruhm.
Capellos Behauptung, das Ensemble sei für eine byzantinische Prinzessin
angefertigt worden, wurde erst 1805 (von Völkel) mit ausführlichen
Argumenten widerlegt.
In den Schmuckteilen waren 100 goldgefaßte Kameen zusammengefügt.
Das reiche Ensemble wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts in einer
sorgfältigen, heute noch vorhandenen Tuschzeichnung, dokumentiert.
Im frühen 19. Jahrhundert ging das Ensemble verloren. Das
Collier daraus muß als erster Verlust verzeichnet werden.
Landgraf Wilhelm IX., seit 1804 Kurfürst Wilhelm I., verehrte
dieses Königin Luise im Jahre 1802 als Geburtstagsgeschenk.
Im Zwiespalt zwischen der gebotenen Großzügigkeit und
seiner bekannten Sparsamkeit griff er auf die Sammlung seiner Vorfahren
zurück. Der von seinem Urgroßvater erworbenen "Garnitur
vor eine Dame" entnahm er das Halsband mit 17 Kameen und überreichte
es der verehrten Königin.
Der spätere Verbleib konnte durch die Verfasserin der vorliegenden
Publikation aufgeklärt werden. Durch Erbgang kam das Collier an
den Zarenhof nach Sankt Petersburg und konnte in der Eremitage nachgewiesen
werden.
Die zahlreichen anderen Teile des Ensembles dagegen gehörten
zu den Spitzenstücken des kurfürstlichen Kunstbesitzes, die
im Oktober 1806 in der Sababurg im Reinhardswald eingemauert wurde,
um sie vor den heranrückenden Franzosen zu verstecken. Das Versteck
wurde alsbald verraten und sein kostbarer Inhalt als Kriegsbeute nach
Frankreich entführt. Weder von der "Garnitur vor eine Dame"
noch von den sonstigen Pretiosen fand sich bis heute eine Spur.
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Kaiser William II.
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